Leserbrief:

von Familie Peeters

Unser   kleiner   Otis,   geb. 24.05.2014

+gestorben 31.10.2016

 

Als wir unseren kleinen Salomonkakadu namens Otis bekamen, waren wir die glücklichsten Menschen auf der ganzen Welt.

So ein tolles kleines Lebewesen mit jeder Menge Liebe und Energie, ein wirklicher Sonnenschein. Anfangs waren wir überfordert, da wir uns überhaupt nicht mit soviel Temperament auskannten. Wir brauchten Hilfe und bekamen diese von einer vermeintlich sehr erfahrenen Trainerin. Sie hat uns dabei unterstützt, die richtige Voliere zu finden und sie auch so zu bestücken, dass Otis sich wohl fühlt und sich sein Schreiverhalten bessert.

Alles, was er bereits konnte, haben wir mit sichtbarem Erfolg weiter trainiert. Vor über einem Jahr hatten wir  dann ein persönliches Gespräch mit der Trainerin, weil Otis´ Schreiverhalten nicht ganz so zu drosseln war, wie wir es uns erhofft hatten. Die Trainerin legte uns nahe, Otis kastrieren zu lassen und daß es eine Notwendigkeit wäre. Da wir sie kannten und ihr zu 100 vertrauten, war es für uns klar, daß die erfahrene Trainerin weiß von was sie spricht, wenn sie so etwas empfiehlt.

Zeitgleich empfahl sie uns auch, mit Otis fliegen zu gehen, das war ein guter Ratschlag, denn Otis hatte damit das, was ein Vogel braucht.

Wir machten also einen Termin bei dem von unserer Trainerin empfohlenen Tierarzt, telefonisch bestätigte er die Notwendigkeit der Kastration. Wir hatten, was eine Kastration angeht, überhaupt keine Ahnung. Innerhalb von einem Jahr machte Otis große Fortschritte. Er schrie kaum noch, weil er fliegen durfte und täglich trainiert wurde. Es war unser schönster Sommer mit ihm.

Aus Unwissenheit haben wir Otis kastrieren lassen, weil es ja laut Trainerin und Tierarzt unumgänglich war.

Es begann ein Leidensweg für Otis und uns!

Nach der Kastration hatten wir nur noch ein Häufchen Elend vor uns. Eine Woche voller Qualen für unser geliebtes Tier und uns. Jeden Tag die Hoffnung, es würde besser werden. An jedem Halm haben wir uns festgehalten und verloren… unser geliebter Otis ist tot. Wir haben den Hoffnungskampf verloren und was bleibt, sind Selbstvorwürfe, Trauer und Wut. Vor allem aber wurden wir alleingelassen.

Wir haben Otis obduzieren lassen und die Todesursache ist eindeutig! Otis ist an den Folgen der Kastration gestorben. Es ist unerklärbar, wie wir uns fühlen und es gibt nichts Schönzureden, aber die Tatsache, mit all seiner Trauer alleingelassen zu werden ist unerträglich.

Wir Leiden und haben das Gefühl, es wurde uns der Boden unter den Füßen weggezogen. Es ist plötzlich alles so dunkel und jeder Winkel in der Wohnung erinnert uns an unseren Sonnenschein. Selbst wenn wir die Wohnung nach draußen verlassen, ist es jedesmal ein Kraftakt.

Die Angst, Menschen zu begegnen, die nach Otis fragen und ihnen mitteilen zu müssen, was passiert ist. Wir haben eine große Bitte: Bitte greift nicht mehr in die Natur ein, laßt Vögel Vögel sein. Das ist unser Wunsch!!!

Otis, wir lieben Dich und Du wirst immer in unserem Herzen sein. Wir vermissen Dich!!!

 


Anmerkung von Tierarzt Hermann Kempf zum Leser- brief und
dem ihm vorgeleg- ten pathologischen Befund:

Liebe Familie Peeters,

die Papageienumschau lässt Sie sicher nicht mit Ihrer Trauer alleine. Ich kann mir vorstellen, dass Ihre Geschichte sehr vielen Leserinnen und Lesern sehr nahe geht und sie mit Ihnen fühlen. Mit Ihrer Trauer, aber auch mit Ihrer Wut. Auch ich als Tierarzt kann Ihre Wut verstehen und dass Sie sich von einem Kollegen verraten und um das Leben Ihres Vogels betrogen fühlen. Mir bleibt nur, Ihnen viel Kraft für Ihr Leben ohne  Otis zu wünschen und Ihnen die Hoffnung zu geben, dass nach einer Phase der Trauer vielleicht wieder Platz ist für einen neuen Vogel in Ihrem Leben.

Das Schicksal zeigt leider zu deutlich, wie sehr Sie als Halter auf die Expertise von Tiertrainern und Tierärzten angewiesen sind und am Ende auch das Glauben müssen, was man Ihnen erzählt. Und so traurig es ist, ist der Fall von Otis ein fast lehrbuchartiges Beispiel für die von mir beschriebenen Probleme rund um das Thema Kastration. Der pathologische Befund bestätigt, dass mit dem Laser nur ein Hoden fast vollständig verödet wurde, der zweite war noch existent. Damit ist das Tier nicht kastriert und das männliche Sexualhormon (Testosteron), das die Kastration reduzieren sollte, noch vollumfänglich vorhanden. Darüber hinaus wurde bei dem Eingriff  der  Darm  so  massiv   verletzt, dass Darminhalt in die Bauchhöhle austrat und eine bakterielle Infektion nach sich zog. Zudem war die Darmpassage durch diese Verletzung unterbrochen, was den langen und grausamen Tod Ihres Tieres erklärt. Offensichtlich war der Kollege auch nicht darauf vorbereitet, Ihren Vogel bei möglichen Komplikationen adäquat zu versorgen, da bei Früherkennung dieser Verletzung eine chirurgische Versorgung sehr leicht zu bewerkstelligen wäre und eine entsprechende antibiotische Versorgung die Infektion hätte vermeiden können. Das zeigt einerseits sehr eindrücklich, dass bei der Kastration von Papageien sehr wohl tiermedizinische Bedenken bestehen, die eine Kastration nach §6(1)5 des Tierschutzgesetzes verbieten.

Andererseits zeigt es auch, dass man beim umherreisenden Kollegen eben alleingelassen ist, wenn dieser zum nächste Behandlungsort weiterzieht.

Bei Anschaffung eines Vogels sollte man sich einen kompetenten vogelkundigen Tierarzt in der näheren Umgebung (das können auch mal bis zu 100 km einfache Fahrt sein) suchen, der im Idealfall auch nachts und am Wochenende zu errei- chen ist.

In diesem Sinne ist der Tod von Otis vielleicht nicht ganz so sinnlos gewesen, weil sein Schicksal anderen Papageienhaltern helfen kann, ähnliche Fehler zu vermeiden. Auch wenn das ein schwacher Trost ist, kann es vielleicht auch Helfen die eigene Trauer zu überwinden. Auch deshalb macht die Papageienumschau den Leidensweg von Otis publik – um anderen Haltern zu helfen und Ihnen zu zeigen, dass Sie in Ihrer Trauer nicht alleine sind.

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In tiefer Betroffenheit und Trauer über den sinnlosen Tod von Otis schließe ich mich den Worten von Tierarzt Hermann Kempf an.

Florian Obermüller