Die PapageienUmschau möchte in dieser Ausgabe auf die Beschäftigung von Papageien eingehen. Mit unserem Leitartikel haben wir ein sehr schönes Beispiel gefunden. Papageientrainer Alessio Fochesato wandert zur Zeit mit dem Circus Krone durch Deutschland und zeigt eine atemberaubende Show. Zusammen mit Tierärztin Frau Dr. Julia Brüggemann, der Fotografin Melanie Hagenreiner und dem Filmemacher Viktor Stauder besuchten wir den Zirkus in Rosenheim. Frau Dr. Susanne Matzenau vom Pressebüro des Circus Krone empfing uns und ermöglichte uns ein Gespräch in der Zirkuskuppel außerhalb der Vorstellung. Von den sehr professionell vorbereiteten Fragen, die Frau Dr. Julia Brüggemann vorgetragen hatte, war sie so begeistert, dass wir eine Einladung zur Vorstellung in erster Reihe bekamen und eine Fotografieerlaubnis während der Vorstellung. Melanie Hagenreiner und Viktor Stauder nutzten diese Möglichkeit und konnten so einige wundervolle Augenblicke für den Bericht einfangen.

Alessio hat mich persönlich sehr begeistert, da er wie auch Tiertrainerin Barbara Heidenreich auf jedes Tier einzeln eingeht, das Training genau auf den Papagei abstimmt und nicht ein vorgefertigtes Schema durchzieht. Er belohnt mit Leckerchen, die er je nach erfolgtem Trainingsverlauf in der Größe variiert. Lesen Sie dazu den nachfolgenden Bericht von Frau Dr. Julia Brüggemann, den wir wegen der Fülle der wunderschönen Bilder auch online veröffentlichen

Viel Spaß beim Lesen und Betrachten der Bilder
Ihr Florian Obermüller


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Besuch bei einem Vogelflüsterer –

Tierärztin trifft Vogeltrainer

Autorin: Frau Dr. Julia Brüggemann

Ein Bericht über ein wunderbares Treffen und ein Plädoyer für Haltungsbereicherung durch Training.

Es gibt Begegnungen im Leben, die sind unvergesslich, weil sie nachhaltig beeindrucken und Freude bereiten.

So geht es mir mit dem Besuch bei Alessio Fochesato und seinen Vögeln in Rosenheim. Ein Treffen auf dem vorübergehenden Zeltgelände des Circus Krone, das gemeinsam mit zwei Fotografen zu einem interessanten und außergewöhnlichen Erlebnis wurde.

Momentan gastieren Alessio Fochesato und seine Vogelgruppe im Sommerprogramm „Evolution“ des Circus Krone. Aras, Kakadus und Sonnensittiche zeigen ihre Flugkünste und Geschicklichkeit frei in der Manege und hoch oben in der Zirkuskuppel.  Bewusst möchte Alessio die Tiere so zeigen, wie sie sind und präsentiert sie in ihrer natürlichen Schönheit ohne Hilfsmittel wie Miniaturfahrrädern oder Ähnlichem, wie es häufig bei Zirkusnummern der Fall ist.

Als Tierärztin für Vögel, die im Rahmen der tierärztlichen Arbeit beratend und anleitend Haltern und ihren Vögeln vor allem mit Verhaltensproblemen zur Seite steht, war ich sehr an einem fachlichen Austausch mit einem Profitrainer und den Parallelen in der Arbeits- und Herangehensweise interessiert.

Welche Techniken wendet ein hauptberuflicher Vogeltrainer an? Wie lange dauern die Trainingseinheiten? Was wird wie oft trainiert? Ist das Training nur für die Show oder auch für das Zusammenleben? Alte oder junge Vögel, extra gezüchtete Vögel? Fragen, die mir vorab durch den Kopf gingen.

Außerdem wollte ich trotz zahlreicher positiver Erfahrungen eine weitere persönliche Bestätigung dafür erhalten, dass sich eine Haltung, welche die Kognitionsfähigkeit und natürlichen Bedürfnisse wie das Fliegen in einem hohen Maß berücksichtigt, positiv auf das Verhalten, die Gesundheit und das Wohlbefinden von Vögeln in menschlicher Obhut auswirkt.

Als Vogelliebhaberin viele schöne Vögel und einen professionellen Vogeltrainer hautnah mit seinen Lieblingen zu erleben, ihm „über die Schulter“ schauen zu können, war natürlich für mich persönlich ein bereichernder  Nebeneffekt und wunderbares Erlebnis.

Schon von weitem hört man die fröhlichen Rufe der Vögel, als wir uns auf der Lorettowiese der Anlage von Alessio nähern. An einer großzügig dimensionierten und sehr gepflegten, mobilen Volierenanlage mit Schlaf- und Ruhezone in einem Anhänger mit Vor- und Dachvoliere mit Seilen, Ästen und frischen Zweigen begrüßt uns Alessio mit einem gewinnenden Lächeln.

Aufgewachsen auf einem Bauernhof mit verschiedenen Tierarten hat er schon sein ganzes Leben eine besondere Beziehung zu Tieren. In seiner Jugend besuchte er in einem Freizeitpark eine Papageienshow und verlor sein Herz an diese Tiere und hatte den großen Wunsch, mit ihnen zu leben und zu arbeiten.


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Alessios  erster Papagei war ein Kongo Graupapagei, ein Wildfang. Seine heutigen Vögel stammen aus aller Welt und sind Zuchttiere. Auch Tiere aus schlechter Haltung oder für die Zucht ungeeignete finden bei Alessio und seiner Frau Elisa ein vorbildliches Zuhause. Neben der aktuellen gefiederten Showcrew gibt es in seiner Heimat Italien noch zwei weitere Vogelgruppen, die dort unter anderem von seiner Familie betreut werden. Es sind nicht immer alle Vögel auf der Tournee dabei. Jeder Vogel, der seinen Weg zu Alessio und Elisa findet, bleibt für immer bei ihnen, das ist ihr Credo.

Alessio arbeitet mit positiver Verstärkung ohne Zwang. Kein Clicker. So unkompliziert wie möglich. Die positiven Verstärker sind meist Leckerchen wie Nüsse, manchmal Streicheleinheiten oder lobende Worte, die unmittelbar nach dem erwünschten Verhalten erfolgen. Positive Verstärkung ist eine übliche und erfolgreiche Technik, die ich auch in meinem Praxisalltag und bei meinen eigenen Vögeln erfolgreich anwende. Da Papageien jeden Alters bekanntlich sehr intelligent sind, lernen sie sehr schnell. Manches lernen sie sogar beim Zuschauen von ihren Schwarmkollegen, berichtet Alessio. Und: Wie alt die Vögel sind, spielt keine Rolle. Es ist nie zu spät! Auch das kann ich bestätigen.

Drehen, Rollen, auf den Rücken legen, durch die Kuppel der Manege oder durch Reifen fliegen, kleine Dinge wie z.B. eine Rose im Flug transportieren, Sitzplätze wechseln, in den Transportkäfig reingehen, auf den Arm fliegen von weit oder nah, Flügel ausbreiten auf Kommando – das sind Elemente der Show, die das Publikum beeindrucken. Für viele Vogelhalter mit häuslicher Haltung und mich als Vogeltierärztin aber sicherlich keine ungewöhnlichen Kapriolen, sondern natürliches oder leicht erlernbares Verhalten.

Alessio ist definitiv kein Trainer, der ungewöhnliche Tricks abverlangt, die wider der Natur sind. In erster Linie will er Zeit mit seinen Tieren verbringen und sich mit ihnen beschäftigen. Am wichtigsten ist, dass sich seine Vögel wohlfühlen und ihre natürlichen Bedürfnisse ausleben können. Er sieht sich selbst eher als Betreuer, Pfleger und Mediziner. Beispielsweise Nagel-und Schnabelpflege, stressfreies Handling für eine tierärztliche Untersuchung, Zurückfinden, falls ein Vogel entfliegen sollte, sind wichtige Grundfähigkeiten, die der Italiener allen seinen Vögeln beibringt. Solche Dinge spielerisch einzuüben rate auch ich jedem Tierbesitzer.

Es gibt keine festen täglichen Trainingszeiten und ständige Wiederholungen. Man sollte stets in kleinen Schritten und kurzen Einheiten arbeiten. Weniger ist mehr. Auch in Privathaltungen. Wenn die Vögel einmal etwas erlernt haben und es in der Manege oder Voliere zeigen dürfen, dann beherrschen sie es und ständiges Trainieren ist nicht notwendig. Neues erlernen sie wirklich schnell, z. B. das Drehen um die eigene Achse auf der Stange hat auch auf meinem Arm beim zweiten Versuch funktioniert. Eine kleine Kakadudame hat ihrem Arakollegen das Flügelaufspannen auf Kommando abgeschaut. Die Tiere lieben die Beschäftigung und Abwechslung.  Alessio richtet sich immer nach ihren Vorlieben, nicht nur weil er sie liebt und respektiert, sondern auch weil er jeden einzelnen Vogel wirklich gut kennt.

Ob in der Voliere oder der Manege - die Papageien und Sittiche sind vollkommen entspannt und interessiert. Sie haben auch absolut ruhig und zutraulich auf uns Besucher reagiert und uns gleich einmal mit Schnäbeln und Krallen angetestet. Selten erlebt man als „Eindringling“ in privaten Haltungen so tiefenentspannte Vögel.  Alessios Lieblinge sind so gut wie nie krank oder verhaltensauffällig. Erstaunlich auch, dass verschiedene Vogelarten friedlich zusammenleben.

Nach meinem Eindruck geht es den Tieren wirklich sehr gut, was sicherlich neben der guten Ernährung und Hygiene, der großzügigen Unterbringung und liebevollen Betreuung auf die regelmäßige kognitive und körperliche Auslastung zurückzuführen ist.

Zum Abschluss bat ich Alessio um Tipps für den privaten Vogelhalter:  Sein dringender Rat ist, dass man sich vor einer Anschaffung genauestens über die Vogelart informieren sollte, damit man weiß, was auf einen zukommt und ob man den Bedürfnissen gerecht werden kann. Und niemals sollte man einen Vogel mit der Erwartung anschaffen, dass er sprechen soll wie ein Mensch. Vögel haben ihre eigene Sprache! Am wichtigsten ist jedoch, seine Vögel  genau zu kennen, um eine gute Beziehung aufzubauen. Dafür muss man sich aufmerksam und intensiv mit ihnen beschäftigen. Als Halterin und Tierärztin weiß ich, dass das Zeit kostet, schwierig ist es aber nicht! Das sind wir unseren Tieren schuldig! 

Das Fazit für mich als Tierärztin ist, dass die Abwechslung und intensive Beschäftigung durch „Training“ gut für die Gesundheit und das Wohlbefinden von Papageien und Sittichen in menschlicher Obhut sind. Neben guter Haltung und Ernährung ist es sehr wichtig, der Kognitionsfähigkeit und dem Bewegungsdrang unserer gefiederten Freunde zu entsprechen. Gehen Sie es an, es ist so einfach und macht Spaß! Vielen Dank an Alessio für diese tolle Erfahrung und den Austausch!


Atemberaubende Bilder von Fotografin Melanie Hagenreiner www.Jigus-Art.de
B
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 und Fotograf und Filmemacher Viktor Stauder
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