Zinkvergiftung bei Papageienvögeln

- eine unterschätzte Gefahr?

- Ein Beitrag von Dr. Morena Wernick

Zinkvergiftungen werden immer häufiger bei Papageienvögeln diagnostiziert. Das Metall kann unter ungünstigen Umständen in großen Mengen im unmittelbaren Lebensbereich der Vögel vorkommen und von Gegenständen in Voliere oder Käfig bzw. von chemischen Substanzen aufgenommen werden. Aufgrund seiner vielfältigen Nutzbarkeit ist Zink in zahlreichen Alltagsprodukten enthalten - in metallischer Form oder als Bestandteil organischer Zinkverbindungen. Während das in der Nahrung vorwiegend in organischer Form vorliegende Zink in normalem Maß lebensnotwendig ist und problemlos von Vögeln aufgenommen und verarbeitet werden kann, können anorganische Zinkverbindungen schwerwiegende Vergiftungserscheinungen bei Papageien hervorrufen und v.a. Leber, Nieren und Bauchspeicheldrüse schädigen.

Wo kann Zink enthalten sein?

Zu akuten Vergiftungen kommt es häufig durch das Benagen von schlecht verarbeiteter, feuerverzinkter Käfiggitter von niederer Qualität (Vorhandensein von Zinknasen, welche von den Vögeln abgeknabbert werden können), zinkhaltiger Metallgegenstände (z.B. Tränken, Futternäpfe, etc.) oder zinkhaltiger Beschichtungen. So wird Zink z.B. als Rostschutzbeschichtung für Stahlgegenstände verwendet und wurde bereits in Volieren- und Käfigmaterialien, Drähten, Haken, Schrauben, Bolzen, Nägeln, Klammern, Ketten, Futtergegenständen und in Spielzeugen für Papageien nachgewiesen. Auch Wandfarben, die Zinkpigmente enthalten, stellen eine potentielle Gefahr für Papageien dar. Wenn säurehaltige Futtermittel wie z.B. Obst mit verzinkten Gegenständen (z.B. Futtergefässen) in Berührung kommen, können sich lebensgefährliche Zinkverbindungen bilden, die dann direkt zusammen mit dem Futter aufgenommen werden können. Auf galvanisierten Käfiggittern und Drähten können sich unter Einfluss von Luftfeuchtigkeit und Kohlendioxid Schichten aus Weissrost (Zinkoxid) oder Zinkpatina (Zinkcarbonat) bilden, welche nach oraler Aufnahme ebenfalls zu schwersten Vergiftungen führen können. Auch das Anknabbern von Schmuck bzw. das versehentliche Abschlucken von Reißverschlussteilen kann zu einer Zinkvergiftung führen.

Wie entsteht die Zinkvergiftung?

Im Muskelmagen des Vogels werden zinkhaltige Objekte durch den niedrigen (sauren) pH-Wert angegriffen und zersetzt. Das freiwerdende Zink wird in eine aufnahmefähige Form umgewandelt (ionisiert) und in den Blutkreislauf aufgenommen. Zink hat dort eine direkte schädigende Wirkung auf rote Blutkörperchen und zerstört diese für den Sauerstofftransport notwendigen Blutzellen. Zudem führt Zink zu Entzündungen und Reizungen des Magen-Darm-Traktes und zur Schädigung lebenswichtiger Organe wie Leber, Nieren und Bauchspeicheldrüse.

Welche Symptome zeigen erkrankte Vögel?

Eine akute Zinkvergiftung geht mit Symptomen des Nervensystems (Inkoordination, Muskelzittern, Lähmungen) und des Verdauungssystems (Erbrechen, Regurgitieren, grünlicher, z.T. blutiger Durchfall) einher und kann im schlimmsten Fall zum Tod des Vogels führen.  
Papageien mit einer chronischen Zinkvergiftung haben häufig ein gestörtes Allgemeinbefinden, magern immer mehr ab und setzen viel Urin (Polyurie) und von Zeit zu Zeit grünlichen (manchmal auch blutigen) Kot ab. Auch starker Juckreiz, oft verbunden mit Federrupfen bzw. Befiederungsstörungen kann häufig beobachtet werden. Viele Tiere leiden zudem unter neurologischen Symptomen, wie bereits bei der akuten Zinkvergiftung beschrieben.

Wie kann eine Zinkvergiftung diagnostiziert werden?

Aufgrund der klinischen Symptome kann ein Tierarzt bereits die Verdachtsdiagnose einer Zinkvergiftung nach einer gründlichen Allgemeinuntersuchung des Vogels stellen. Röntgenaufnahmen können helfen, metallische Partikel im Magen-Darm-Trakt des Vogels nachzuweisen. Jedoch soll hierbei ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass eine Zinkvergiftung auch dann vorliegen kann, wenn keine Metallpartikel auf den Röntgenbildern nachgewiesen werden können. Zink lässt sich im Blut eines Vogels in spezialisierten tiermedizinischen Laboren nachweisen. Bei bereits verstorbenen Tieren können Bauchspeicheldrüse, Leber oder Nieren auf einen erhöhten Zinkgehalt untersucht werden, um eine mögliche Vergiftung zu bestätigen.

Wie können Vögel mit Zinkvergiftung behandelt werden?

Bei der Therapie ist am allerwichtigsten, die Zinkquelle zu erkennen und sofort zu entfernen. Sollten auf dem Röntgenbild Zinkpartikel im Magen-Darm-Trakt des Vogels erkennbar sein, so müssen diese nach Möglichkeit (z.B. mit Hilfe von einer Kropfspülung oder Endoskopie, etc.) entfernt werden. Zudem können spezielle abführende und bindende Medikamente bei der Ausscheidung vorhandener Zinkpartikel helfen. Sogenannte Chelatbildner stehen zur Verfügung, um bereits im Körper vorhandenes Zink im Blut zu binden und für den Vogel ungefährlich zu machen. An einer Zinkvergiftung erkrankte Vögel müssen aufgrund des oft schlechten Allgemeinzustandes mit Infusionstherapie, Medikamenten zur Anregung der Funktion des Magen-Darm-Traktes und Zwangsfütterung zusätzlich unterstützt werden. Vitamin-B-Injektionen können helfen, Symptome des Nervensystems schneller zu lindern. Auch eine Behandlung mit Antibiotika bzw. Pilzmitteln kann unter bestimmten Umständen angezeigt sein.


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Frau Dr. med. vet. Morena Wernick
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